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Rückblick Symposium "Corporate Identity auf's Tapet gebracht"

Text und Bilder Robert Helmy

Was sind repräsentative Räume, wie stiften sie Identität? Das waren zentrale Fragen, die das Symposium «Corporate Identity aufs Tapet gebracht» am 17. Juni 2009 in der Zürcher Hochschule der Künste zu klären versuchte. Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch der Startschuss für einen Tapetenwettbewerb gegeben.

«Repräsentation kann nur in der Sphäre der Öffentlichkeit vor sich gehen.» Dieses Zitat des bedeutenden deutschen Philosophen Jürgen Habermas legte das Fundament der Zeitreise, welche die Kunsthistorikerin Bettina Köhler mit den Teilnehmenden des Symposiums in ihrem Referat unternahm. Es führte durch verschiedene Stilepochen und Geschmacksrichtungen. Nicht nur die prächtigen «privaten» Gemächer des Sonnenkönigs Ludwig des XIV waren auf Repräsentanz angelegt, erfuhren die Besucher und Besucherinnen des Symposiums. Auch die Innenräume der Landhäuser des englischen Hochadels im 18. Jahrhundert, die Wohnräume von Goethe oder die Interieurs der Bauten der Bauhaus-Epoche waren mehr als bloss privat. Sie mussten ihren Besitzern und deren Gästen gefallen, ja vielleicht sogar ihren Neid erwecken. Neid sei überhaupt ein wichtiger Antriebsfaktor bei der Gestaltung von Innenräumen, bemerkte Axel Venn, Professor für Farbgestaltung, augenzwinkernd in seinem amüsanten Vortrag über Tapetenluxus, Bühnenbilder zum Wohnen.

Wissen, wer man ist
Dass man mit der Gestaltung von Innen- und Aussenräumen Identität stiften und repräsentative Wirkung erzielen kann, ist heute so wahr wie früher. Dies zeigten die Beispiele des Farbgestalters Beat Soller und des Architekten Josho Smolencky. Bewusst gestaltete Empfangsräume von Banken laden zum Verweilen ein, versprechen aber auch Diskretion. Ein geschickt ausgestalteter Member-Bereich eines Golfklubs gibt dem Mitglied das Gefühl, sein Geld richtig angelegt zu haben. Der klug konzipierte Showroom eines Uhrenherstellers wirkt so wertvoll wie das kleine technische Wunderwerk, für das er den Rahmen abgibt. Die Beispiele von Soller und Smolencky waren gefällig und überzeugten. Sie machten vor allem bewusst, dass nur derjenige über die Gestaltung von Räumen seine Identität kommunizieren kann, der weiss, wer er selber ist und welche Ziele er verfolgt.

Mit der Tapete Identität stiften
Die Veranstaltung wäre nicht eine Veranstaltung des Tapentenforums gewesen, wenn nicht die Tapete als Gestaltungsmittel eine zentrale Rolle gespielt hätte. Dieter Buhmann, Geschäftsführer der im deutschen Bundesland Hessen domizilierten Marburger Tapetenfabrik, pries ihren Wert gekonnt an. 25 Prozent seines Umsatzes erzielt das Traditionsunternehmen mit Tapeten aus dem Luxusbereich, die es durch Stardesigner wie Luigi Colani oder Ulf Moritz entwerfen lässt. Was sich heute alles an Farben, Formen, Materialien und Strukturen an die Wand kleben lässt, ist in der Tat beeindruckend und übertrifft bei weitem die Tapetenblümchen, die der eine oder andere Zuhörer möglicherweise noch aus seiner Kindheit in Erinnerung hatte.

Tapetenwettbewerb
Die Marburger werden es auch sein, die bei der im Rahmen eines Wettbewerbs zu entwickelnden Tapete mitarbeiten werden. Der Startschuss zum Wettbewerb fiel am Symposium. Der zum Symposium gleichlautende Titel des Wettbewerbs, nämlich «Corporate Identity aufs Tapet gebracht», ist irreführend, auch wenn sich die Wettbewerbsteilnehmer in einer ersten Lesung an den Schulungsräumlichkeiten der Migros-Klubschule zu orientierten haben. Die Tapete soll nämlich dereinst nicht nur in den Schulen des Grossverteilers mit dem grossen orangen M, sondern generell in Schulen und Institutionen der Erwachsenenbildung seine Wirkung entfalten können. Es soll eine Wandbekleidung entstehen, die eine dem Lernen förderliche Atmosphäre schafft und die in Gängen der Schule den richtigen Weg zum Schulraum weist. Geplant ist, die Schule Kornhausbrücke der Migros am Limmatplatz in Zürich als erste Institution mit der Tapete auszustatten.

Referate-Kurzfassungen
zum Herunterladen als PDF

 

Weitere Eindrücke:

Grosse Aufmerksamkeit
Gespannte Aufmerksamkeit im Saal

Podiumsgespräch
Zuständigkeit, Kompetenz und Honorierung
für Corporate Identity

Pausengespräch
Pausengespräch

Hansruedi Kaufmann
Hansruedi Kaufmann, Präsident tapetenforum, führte mit sichtlichem Spass durch die Veranstaltung

Bettina Köhler
Bettina Köhler, Prof. Dr. Phil., Kunsthistorikerin: „Das Interieur als repräsentatives Futteral“

Beat Soller
Beat Soller, Farbgestalter, Dozent Haus der Farbe, Mitglied der Geschäftsleitung Max Schweizer AG

Joseph Smolenicky
Josho Smolenicky, Dipl. Arch. ETH/BSA/SIA:  „Identitätsstrategien“

Dieter Buhmann
Dieter Buhmann, Geschäftsführer marburg Wallcovering, Kirchhain (D)

Referat Dieter Buhmann
Referat von Dieter Buhmann

Michael Meier
Michael Meier Dipl. Arch. ETH, Creative Director von vasp.ch: „Big Pictures, Leitbilder der Identität“

Axel Venn
Axel Venn, Aesthetik-Farbe-Trend-Gestaltung: „Tapeten-Luxus, Bühnenbilder fürs Wohnen“